„Jeder hat eine Meinung und keiner weiß, was richtig ist“, sagt Christine Rötzer mit Tränen in den Augen.

Die Einschränkungen durch die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen bewegen nicht nur die Inhaberin des Mahlwerkks: Viele Emmendinger Händler, Gastronomen und Kulturschaffende sind betroffen und kämpfen um das Überleben Ihrer Unternehmen. „Die Überbrückungshilfen decken nicht einmal die Fixkosten“, sagt Gabriela Beckmann, Inhaberin des Rückgrats und erste Vorsitzende des Gewerbevereins.

IMG 0890 1Christine Rötzer Inhaberin Mahlwerkk Emmendingen

Wenn die Hilfen denn ankommen – viele Unternehmer warten immer noch auf die Auszahlung der genehmigten Gelder. Auch ihre Mitarbeiter sind von fehlenden Löhnen und Kurzarbeitergeld betroffen. Minijobber arbeiten besonders häufig in den Branchen, die momentan geschlossen sind, und haben weder Anspruch auf Kurzarbeiter- noch auf Arbeitslosengeld.

Um auf diese Situation aufmerksam zu machen und gemeinsam Lösungsansätze zu finden, hat der Gewerbeverein Emmendingen unter dem Motto # ohne uns wird’s leer in Emmendingen am vergangenen Freitag, 26. Februar 2021, zur Kundgebung auf dem Marktplatz aufgerufen.

Etwa 150 Teilnehmer zeigten sich mit Maske und Abstand in der Innenstadt, darunter Mitglieder des Gewerbevereins und des Unternehmensnetzwerks Teningen, Emmendinger Händlerinnen und Händler, Politikerinnen und Politiker sowie Mitglieder des Stadtrats. Vertreter der Stadt Emmendingen waren bei der Kundgebung aufgrund des Neutralitätsgebots vor Wahlen nicht anwesend.

IMG 0895 1

Krischan Lukanow und Atze Gökdemir sorgten für einen klangvollen Start der Kundgebung und erinnerten sich selbst und die anderen Anwesend daran, wie es sich anfühlt, Livemusik zu erleben. Das Motto „Jammen statt Jammern“ habe das Music Lab seit Anfang der Pandemie verfolgt und viele kreative Ansätze für den Online-Musikunterricht entwickelt, erzählt Lukanow. Langsam seien sie aber ausgeschöpft, die Ideen gehen aus. „Wir brauchen eine Öffnungsperspektive“, sagt er. Das Theater im Steinbruch sucht selbst nach Möglichkeiten, die Aktivitäten langsam wieder aufzunehmen. „Wir können nicht proben“, sagt Hans-Joachim Wipfler, erster Vorsitzender des Theaters. Deshalb suchen sie jetzt nach Ersatzmöglichkeiten und überlegen, kleinere, kürzere Stücke mit nur zwei oder drei Schauspielern zu spielen. Dennoch, die Kultur fehlt in Emmendingen.

                     IMG 0907Gabriela Beckmann                 IMG 0886 1Marcel Jundt

Ebenso wie das Vereinsleben und der Sport.
„Regelmäßiger Sport unter fachlicher Anleitung fördert die Gesundheit und das Immunsystem“, erklärt Gabriela Beckmann. Sie befürchtet körperliche und psychologische Folgen, wenn die Fitnessstudios und Sportplätze weiterhin geschlossen bleiben und weist darauf hin, dass auch die Wirkung von Fitness bei der Pandemiebekämpfung bedacht werden sollte. Hubert Bührer wünscht sich ebenfalls eine effizientere Gesamtstrategie in der Pandemie: „Die Impfungen und die Nachverfolgung müssen laufen“, fordert der Inhaber des Palio, das momentan geschlossen ist. Er wünscht sich ein verbindliches Datum zur Öffnung der Gastronomie sowie eine Digitalisierung der Kontaktverfolgung. „Letztes Jahr war das eine Zettelwirtschaft“, sagt er.

IMG 0904

Egal ob Kultur, Gastronomie oder Handel – alle Bereiche, die von den Corona-Schutzmaßnahmen betroffen sind, suchen aktiv nach Lösungen, um Ihre Aktivitäten unter sicheren Bedingungen wieder aufnehmen zu können. So schlägt Marcel Jundt vom Modehaus Blum-Jundt beispielsweise „Family Shopping“ vor, eine Konzept, bei dem jeweils mehrere Mitglieder eines Haushalts ein Geschäft besuchen und dort einkaufen dürfen – natürlich mit entsprechendem Hygienekonzept. Die Kundgebung des Gewerbevereins dauerte etwa 30 Minuten. Für die Bühnen- und Tontechnik hatte BHP Weißhaar gesorgt.

Text / Bilder: Gewerbeverein Emmendingen e.V.