Das Gernsbacher Kinderfest von 1932

1932 erreichte die Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt. In Deutschland wurden gegen Ende des Winters über sechs Millionen Arbeitslose gezählt, ein Drittel aller Erwerbstätigen.

Gefeiert wurde dennoch oder gerade deshalb. Höhepunkt des Festgeschehens in Gernsbach war in diesem Jahr ein Kinderfest, das am Sonntag, dem 17. Juli, mit einem großen Umzug begangen wurde.

Kinderfest 1926 Stadtarchiv Gernsbach 002Das um 1926 an der Ecke Stadtbrücke/Igelbachstraße aufgenommene Bild vermittelt einen Eindruck von den Kinderfestumzügen des Verkehrsvereins. Foto: Stadtarchiv Gernsbach

Veranstalter des Festes war wie bereits in den Jahren zuvor der „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs für Gernsbach im Murgtal“, meist kurz „Verkehrsverein“ genannt. Dieser Verein, der damals unter der Leitung des Hoteliers Carl Brude stand, nahm in etwa die Aufgaben eines städtischen Verkehrsamtes wahr. Auch das Kinderfest war als „Werbung für unsere Stadt“ gedacht, wie es im Protokollbuch des Vereins heißt.

Dabei stand die Abhaltung des Festes angesichts „ernster Bedenken einiger Vorstandsmitglieder“ zunächst auf der Kippe. Die endgültige Zusage erfolgte erst, nachdem der Gemeinderat eine Ausfallbürgschaft übernommen hatte und damit die Stadt das finanzielle Risiko trug. Aus heutiger Sicht erstaunlich ist, dass die gesamte Organisation des Kinderfestes in kaum vier Wochen erledigt war.

Der Festzug, der sich am 17. Juli um viertel nach zwei auf der Höhe des ehemaligen Badhotels in Bewegung setzte, umfasste nicht weniger als 47 Gruppen in sechs Abteilungen. Angeführt wurde er von Standartenreitern des Carneval-Vereins, denen die Stadtkapelle, zwei Kindergruppen mit Stäben und Turnerinnen mit Girlanden folgten. Es folgten zahlreiche Motivgruppen, teils zu Fuß oder mit dem Rad, teils mit bespannten Wagen. Sie trugen Bezeichnungen wie „Touristen und Dr. Unblutig“, „Ben Hur“, „Tiroler sind lustig“, „Sennhütte auf der Alm“ oder „Am Brunnen vor dem Tore“. Auch ein „Rosenauto“ fuhr mit. Den Abschluss bildeten ganz im Sinne der Tourismuswerbung der „Bahnhof Gernsbach“ und „Die Symbole der Gaststätten des Kurortes Gernsbach“.

Ab halb vier gab es auf dem Festplatz an der Badener Straße „Jugendspiele, Reigen, Belustigungen“, dazu Karussells und Schaubuden, Konzerte der Stadtkapelle und natürlich Essen und Trinken. Auch am Montag herrschte auf dem Festplatz noch reges Treiben. Da auch das Wetter mitspielte, konnte der Verkehrsverein einen Überschuss verbuchen. Verwendet wurde er, um zusätzliche Sitzbänke anzuschaffen unter Berücksichtigung der von „Einheimischen und Fremden geäußerten Wünsche“.

Quelle: Text/Bild: Stadt Gernsbach