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Willi Auerbach (The Magic Man):  -Was macht ein Illusionist im Homeoffice?

Abgesagte Veranstaltungen, gecancelte Premieren, verschobene Ausstellungen – für die Kunst- und Kulturszene ist die Corona-Krise eine große Herausforderung.

So wie es derzeit vielen anderen Künstlern auch geht, traf die Corona-Krise den Illusionisten Willi Auerbach auch direkt mitten ins Herz. Eigentlich lässt er Menschen erscheinen, schweben oder verschwinden, aber Auftritte, von denen der Magier sonst lebt, fallen derzeit weg. Hier entwickelt Willi Auerbach wie viele seiner Kollegen neue Konzepte und wird kreativ um sein Publikum auch in der Corona-Pandemie weiterhin zauberhaft zu unterhalten.

 magic man moosburg

Ungewöhnliche Zeiten erfordern nun mal neuartige Konzepte und Denkweisen und da ist es in dieser Zeit sehr wichtig sich auf "die Zeit danach" vorzubereiten beziehungsweise sich zu überlegen, was man alles an Alternativen anbieten kann. Denn wie bei allen Selbstständigen geht es hier auch um die Existenzfrage. Die Sehnsucht nach Normalität wird immer größer die Menschen möchten wieder feiern und Kultur genießen. Wir sollten nicht vergessen, dass auch die Kunst und Kulturszene eine wichtige emotionale Grundlage für unsere Gesellschaft darstellt und die Menschen danach verlangen. Aber was macht ein Zauberer im Homeoffice?

Im Interview mit Region im Blick erzählt Willi Auerbach wie sich Corona auf seinen Alltag als Zauberkünstler auswirkt, wie er die Zukunft im Kulturbetrieb einschätzt und über Chancen in der Krise.

MAGIC MAN by Alexander Hauk 03MAGIC MAN by Alexander Hauk 03Am 18.Dezember 2020 waren Sie zusammen mit anderen Künstlern bei zeigtsich.TV in Emmendingen eingeladen. Die Hummel AG aus Denzlingen hatte sich in diesem Jahr eine ganz besondere Weihnachtsaktion einfallen lassen. Sie setzte mit ihrem Online-Konzert ein Zeichen für Künstler in der Region. Wie war es für Sie nach so langer Zeit wieder auftreten zu dürfen?

Willi Auerbach(The Magic Man): Es war ein großartiges Gefühl, nach dem November Lock down und einigen Monaten ohne Shows, endlich mal wieder auf der Bühne zu stehen. Man merkt in solchen Momenten, wie sehr einem die zwischenmenschliche Interaktion im offline Bereich fehlt.

Aktuell befinden wir uns mitten in der Corona-Krise: Wie sieht denn dein Alltag gerade aus? Was macht ein Zauberkünstler im Homeoffice?

Willi Auerbach(The Magic Man): Mein Alltag besteht in erster Linie darin, neue Konzepte zu entwickeln und mich für die Zeit nach Corona vorzubereiten. Aber auch liegengebliebene Arbeit wird aufgearbeitet und ich bin dabei meine virtuelle Zaubershow auszubauen.

Was ist im Moment für Sie die größte Herausforderung?

Willi Auerbach(The Magic Man): Meine größte Herausforderung besteht momentan darin, mich mit dem Konzept von virtuellen Showeinlagen in Zoom Meetings anzufreunden. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies niemals eine normale Show ersetzen wird. Aber es stellt zumindest eine Möglichkeit dar, weiterhin kreativ zu arbeiten. Und so muss ich mich gezwungener Maßen damit beschäftigen.

Wie sieht es aktuell aus? Sind bei ihnen bisher viele Auftritte ausgefallen?

Willi Auerbach(The Magic Man): Im November war es genauso. Da fand leider keine einzige Show statt. Alle bestehenden Buchungen wurden einfach annulliert. Im Dezember jedoch, kamen dann die virtuelle Show bei der Firma Hummel und drei Shows im Autokino Format hinzu. Zudem hatte ich inzwischen schon einige digitale Zaubershows, die wir gemeinsam mit meinem Team bei mir im Zauberatelier umgesetzt haben. Dabei sind wir via Teams und ZOOM bei digitalen Weihnachtsfeiern von verschiedenen Firmen aufgetreten. Über 250 Zuschauer bezauberten wir auf diese Weise. Und es lief erfreulicher Weise alles sehr gut.

011MAGIC MAN / Foto Alexander Hauk

Wie aufwändig ist es, diese Förderungen zu beantragen? Kommt die Hilfe an?

Willi Auerbach(The Magic Man): Bis jetzt kann ich mich nicht beschweren. In Baden-Württemberg sind wir bisher gut unterstützt worden. Zwar benötigte man für die zweite Soforthilfe einen Steuerberater. Und der empfand die Umsetzung des Antrages als sehr aufwändig. Aber immerhin sind wir dank der Soforthilfen nicht in ein tiefes finanzielles Loch gefallen. Klar – an einen Gewinn ist dieses Jahr nicht zu denken. Aber wir haben ja auch eine Pandemie am Laufen. Somit bin ich schon mal froh die Zeit zu überstehen, ohne einen Kredit zu beantragen.

MAGIC MAN Elena by Alexander Hauk 01MAGIC MAN Elena by Alexander Hauk Wie sehen Sie die Zukunft im Kulturbetrieb in diesen vom Corona Virus geprägten Zeiten und konnten Sie den Lock down nutzen, um neue Ideen zu entwickeln?

Willi Auerbach(The Magic Man): Ich habe die Befürchtung, dass sehr viel Kulturbetriebe die Krise nicht überleben werden. Denn gerade Unternehmen, die hohe laufende Kosten haben – wie zum Beispiel die Pacht einer Kleinkunst Bühne – werden es schwer haben. Und das ist sehr traurig. Kunst und Kultur ist nicht einfach nur irgendeine Branche. Kultur ist systemrelevant. Gerade in Zeiten, in denen sich die Gesellschaft spaltet. Wir sind soziale Wesen. Benötigen die Nähe zueinander. Und Kunst und Kultur bietet genau das. Ich wünsche mir, dass Kulturbetriebe mit einem guten Hygiene Konzept bald wieder öffnen dürfen! Wie schon erwähnt habe ich die Zeit genutzt um virtuelle Zaubershows zu entwickeln. Aber das ist wie gesagt kein Ersatz, sondern höchstens eine Übergangslösung.

Welchen Tipp haben Sie für andere Künstlerkollegen, wie sie mit der Krise am besten umgehen können?

Willi Auerbach(The Magic Man): Am besten mit einer positiven Einstellung. Ich denke es bringt einen nicht voran, den Kopf hängen zu lassen. Manchmal muss man die Dinge so akzeptieren wie sie sind und das Beste daraus machen. Hey – wir leben in Deutschland und haben in der Regel ein Dach über dem Kopf. Und es wird auch eine Zeit nach Corona geben!

magic man team zaubershowMagic Man mit Team

Sehen Sie in der Corona-Krise auch eine Chance?

Willi Auerbach(The Magic Man): In Krisen lernt man kreativ zu werden. Es bringt einen auf jeden Fall aus dem Alltagstrott heraus. Und was die Gesellschaft angehet: Man lernt in solchen Zeiten seine Mitmenschen ganz neu kennen. Von manchen ist man positiv überrascht, von anderen eher nicht. Ich glaube, man merkt zumindest, wer nur an sich denkt, und wer dagegen das Große und Ganze im Blickfeld hat.

Wofür nutzen Sie gerade ihre Zeit?

Willi Auerbach(The Magic Man): Privat nutze ich den höheren Freizeitanteil, indem ich Sport treibe, wandern gehe und Mountainbike fahre. Ich habe selten so viel Zeit gehabt unsere schöne Heimat zu erkunden. Und das ist ja auch was Positives!

Daniela Hiebel im Gespräch mit Willi Auerbach
Bilder: Willi Auerbach