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Erwartungen der Unternehmen am Südlichen Oberrhein bleiben zurückhaltend

Nach der überwiegend trüben Konjunkturlage im Jahr 2019 zeichnet sich zum Jahresbeginn für 2020 eine leichte Stabilisierung ab. Aufgrund der verbesserten Geschäftserwartungen liegt der Konjunkturklimaindex nun mit 122 Punkten immerhin neun Punkte höher als noch im Herbst.

Das ist eines der Ergebnisse einer Unternehmensumfrage der IHK Südlicher Oberrhein unter rund 1.000 Unternehmen. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn präsentierten IHK-Präsident Dr. Steffen Auer und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Salomon im Rahmen einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag in Freiburg. Für die Unternehmen in Südbaden beginnt das Jahr 2020 mit der Hoffnung, dass sie auch in diesem Jahr von einer Rezession verschont bleiben. Nachdem der Index der Geschäftserwartung im Herbst mit minus sechs Punkten erstmals seit sechs Jahren in den negativen Bereich abgeglitten war, stabilisiert er sich zum Jahresbeginn nun wieder bei zwölf Punkten. So übersteigt der Anteil der optimistischen Unternehmen mit 24 Prozent wieder jenen der pessimistischen mit zwölf Prozent.

PM 14 Konjunktur Jahresbeginn 002Auf der Pressekonferenz zur Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn der IHK Südlicher Oberrhein: Dr. Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein, Christian Adam, Geschäftsführer Adam Transporte, Toni F. Schlegel, Geschäftsführer Greiffenegg-Schlössle und Dr. Dieter Salomon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. /Foto : IHK Südlicher Oberrhein (Olga Heiland)

Die Erwartung, dass 2020 ein erfolgreiches Jahr für die Unternehmen wird, steigt somit wieder. „Dazu beigetragen hat die Entspannung im Handelsstreit zwischen USA und China. Zudem wurden bisher keine Strafzölle auf europäische Autoimporte verhängt, wie zunächst von der amerikanischen Regierung angedroht“, erklärte Dr. Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein die Hintergründe für die Zahlen. In der Umfrage nicht enthalten sind die Auswirkungen der aktuellen Coronavirus-Epidemie. Auer: „Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf das Exportgeschäft der Unternehmen in der Region haben wird, ist derzeit noch sehr schwierig vorherzusagen. Globale Wertschöpfungsketten könnten jedoch beispielsweise gestört werden.“

Während der Blick auf die kommenden Monate also weniger düster erscheint als noch im Herbst, verliert der Index der Geschäftslage bereits das vierte Mal in Folge an Boden. Im Vergleich zum Herbst büßt er drei Punkte ein und steht nun bei 33 Punkten. Mit 44 Prozent kann aber noch immer ein großer Teil der Betriebe eine gute Geschäftslage vorweisen, während nur elf Prozent diese aktuell als schlecht bezeichnen. „Dramatisch sind die Einbußen bei der Geschäftslage der südbadischen Unternehmen bisher nicht. Sie wissen jedoch auch noch nicht klar, wo es hingeht“, erläuterte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Dieter Salomon die gemischte Einschätzung. Dies zeigt sich auch beim Blick auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Januar 2019 um 818 Personen auf 21.894 gestiegen; mit 3,5 Prozent bleibt die Arbeitslosenquote im Kammerbezirk aber weiterhin sehr niedrig.

Die Vorsicht der Unternehmen aufgrund der unsicheren Geschäftserwartung schlägt sich auch bei der Investitionspolitik nieder. Der Index der Inlandsinvestitionen gewinnt lediglich vier Punkte hinzu und liegt nun mit drei Punkten wieder knapp über dem Strich. 26 Prozent der Betriebe wollen ihre Investitionen ausweiten, während 23 Prozent planen, sie zurückzufahren.

In der Industrie am südlichen Oberrhein ist ein leichtes Durchatmen zu spüren. Während es im Laufe des vergangenen Jahres mit der Geschäftslage kontinuierlich bergab ging, ist erstmals eine Stabilisierung der Lage zu verzeichnen. So gewinnt der Index der Geschäftslage zwei Punkte hinzu und steht nun bei 22 Punkten. 35 Prozent der Betriebe bezeichnen die eigene Geschäftslage als gut, weitere 51 Prozent als befriedigend. Auch die Geschäftserwartungen der Dienstleister normalisieren sich. So steigt der Index der Geschäftserwartung von minus 20 wieder auf 13 Punkte an und vermittelt wieder überwiegend optimistische Zukunftsaussichten in der Unternehmerschaft. Eine stabil gute Geschäftslage verzeichnet der Handel. 49 Prozent der Händler geben an, über eine gute Geschäftslage zu verfügen, weitere 47 Prozent bezeichnen sie als befriedigend. Der Anteil unzufriedener Unternehmen bleibt mit vier Prozent weiterhin sehr gering. Leichte Einbußen gibt es hingegen für das Hotel- und Gastgewerbe. Hier verliert der Index der Geschäftslage 19 Punkte und fällt mit 35 Punkten auf den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr 2015. „Für die Branche wird es immer schwerer, Beschäftigte zu finden. Zurzeit ist die Marke ‚Black Forest‘ jedoch noch sehr stark, daher besteht derzeit kein Anlass zur Sorge“, sagte Auer. Immerhin 89 Prozent der Betriebe bewerten die eigene Geschäftslage zudem noch als gut oder befriedigend. Keine grundsätzliche Richtungsänderung gibt es im Baugewerbe zu vermelden. Die Geschäftslage der Unternehmen bleibt überwiegend positiv. 73 Prozent bezeichnen sie als gut, weitere 26 Prozent als befriedigend, nur zwei Prozent sind unzufrieden. Im Vergleich zum Herbst 2019 fällt der Index der Geschäftslage zwar um zehn Punkte, er bewegt sich jedoch mit 71 Punkten weiterhin in etwa auf dem Niveau der vergangenen vier Jahre.

An der Auswertung der Frage nach den wirtschaftlichen Risiken für das eigene Unternehmen lässt sich der leicht verbesserte konjunkturelle Ausblick schon ablesen. Nachdem zuletzt die Sorge um die Nachfrage aus dem In- und Ausland nach oben geschnellt war, geben diese beiden Risikofaktoren zum Jahresbeginn 2020 wieder leicht nach. Im Gegensatz dazu gewinnen die Risiken Fachkräftemangel und Arbeitskosten wieder hinzu. Der Anteil der Unternehmen, die sich um den Fachkräftemangel sorgen, steigt wieder von 56 Prozent auf 62 Prozent an. „Fachkräftemangel bleibt damit das größte Sorgenkind der Unternehmen“, fasste Auer zusammen.

Ein weiteres Thema, das in der Unternehmerschaft schon seit Langem für Diskussionen sorgt, ist das deutsche Arbeitszeitgesetz. Während sich viele Nachbarländer in ihrer Gesetzgebung an der liberaleren Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union orientieren, gilt in Deutschland weiterhin eine tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden, welche bei entsprechendem Ausgleich auf täglich zehn Stunden erhöht werden darf. Demgegenüber schreibt die europäische Richtlinie nur eine wöchentliche Höchstarbeitsdauer von 48 Stunden und eine tägliche Mindestruhezeit von elf Stunden vor. So ist beispielsweise für die in der Region stark vertretene Logistikbranche eine Beschränkung der täglichen Höchstarbeitszeit auf zehn Stunden oft nicht mit der betrieblichen Realität vereinbar. „In der Praxis gibt es viele Zeitfresser wie Staus, überfüllte Parkplätze oder Laufzeiten bei Kunden. Die Fahrer können nicht wissen, wie lange diese Unbekannten dauern werden und diese Zeiten fehlen später wiederum“, berichtete Christian Adam, Geschäftsführer von Adam Transporte aus Neuried. „Das aktuell praktizierte Arbeitszeitgesetz von 1994 hat mit der Lebenswirklichkeit nichts mehr zu tun“, beteuerte auch Toni F. Schlegel, Geschäftsführer des Greiffenegg-Schlössles aus Freiburg. Gerade bei Hochzeits- oder Silvesterfeiern sei die Beschränkung der täglichen Höchstarbeitszeit oft nicht mit den Wünschen von Kunden und Mitarbeitern vereinbar, schilderte der Gastronom. „Um möglichst flexibel bedienen zu können, brauchen wir eine Liberalisierung auf die Wochenstundenzeit“, meint Schlegel. „Nicht nur wir als Arbeitgeber, auch unsere Mitarbeiter wünschen sich diese Flexibilisierung“, ergänzte Adam. Beide Unternehmer waren sich dabei einig, dass diese Flexibilisierung nicht die Wochenarbeitszeit, sondern nur die Tagesarbeitszeit betreffen sollte.

Neue Dynamik dürfte das Thema dadurch erhalten, dass der Europäische Gerichtshof im vergangenen Jahr entschieden hat, dass Arbeitszeit in Zukunft in allen Mitgliedsstaaten der EU lückenlos erfasst werden muss. „Da eine Überarbeitung des Arbeitszeitgesetzes sowieso nötig ist, könnte man dieses wichtige Thema zur Fachkräftesicherung auch mit auf die Agenda nehmen“, betonte Adam. „Wir werden als IHK weiter dafür kämpfen und mit den Politikern in der Region nochmals in Gespräche gehen“, versicherte der IHK-Präsident abschließend.

Text / Bild:IHK Südlicher Oberrhein