Speerwurf – der Traum vom WM-Gold - Johannes Vetter im Gespräch mit Region im Blick

Der Speerwurf – er war schon ein Bestandteil der Olympischen Spiele in der Antike. Und doch dauerte es bis in die Neuzeit bis diese Sportart in das olympische Programm aufgenommen wurde.

Die Deutschen Speerwerfer sind seit Jahren ganz vorne mit dabei. Einer der Besten, die dieser Leistungssport zu bieten hat, ist Johannes Vetter. 2017 wurde Vetter in Europa und Deutschland zum Leichtathlet des Jahres gewählt. Bei der Leichtathletik – Weltmeisterschaften 2017 in London, belegte er den ersten Platz und gewann mit einer Weite von 89,89 m, die Meisterschaft.

SVV 6444 entwickeltJohannes Vetter

Für den Ortenauer Leichtathleten Johannes Vetter von der LG Offenburg lief diese Saison nicht gerade rund aber mit neuer Motivation und voll Power möchte er zusammen mit Trainer Boris Obergföll wieder durchstarten. Eigentlich wollte er Olympisches Gold aus Tokio mit nach Hause bringen, aber durch Corona – Pandemie und die damit verbundene Verschiebung der Olympischen – Spiele 2020 auf das nächste Jahr ,ist die Planung auch für Johannes Vetter durcheinander-geraten. Mittlerweile herrscht schon fast wieder Normalität beim Trainingsablauf. Region im Blick wollte mehr über den Ex – Weltmeister, dessen Verletzungs-probleme, über den Konkurrenzkampf der Athleten und kommende Wettkämpfe wissen.

SVV 6397 bearbeitet

Die deutschen Speerwerfer gehören zu den besten der Welt. In dieser Saison ist die Konkurrenz größer geworden, gilt das Motto wie „Gemeinsam statt gegeneinander“ oder muss sich für die Sportler etwas verändern? Pusht dieser Konkurrenzkampf und wie geht man damit um? Ich denke nicht. Konkurrenz ist und bleibt Konkurrenz, das sagt das Wort ja schon aus. Jeder Typ Sportler kommt mit den unterschiedlichsten Situationen auch unterschiedlich klar, so wie jetzt gerade auch, und es ist keine einfache. Aber natürlich pusht der Konkurrenzkampf, jedoch nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene.

Sie hatten mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Wie geht es Ihnen jetzt?

SVV 6437 bearbeitetJohannes Vetter: Die große Verletzung des letzten Jahres ist soweit auskuriert und macht mir - Gott sei Dank - keine Probleme mehr. Da wir aber schon seit November im Training sind kommen hier und da immer paar Kleinigkeiten dazu, das ist normal. Das Speerwerfen ist bleibt, in den Bereichen, in denen ich mich bewege, nicht gesund.

Speerwerfen ist eine Individualsportart. Wird diese Sportart aus Ihrer Sicht richtig wahrgenommen?

Johannes Vetter: Ich bin der Meinung, dass viele Sportarten viel zu weit unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung vonstattengehen. Das ist sehr schade. Unser Gesellschaft hat in der breiten Masse einfach andere Vorlieben. Das liegt zum großen Teil an einer heterogenen medialen Darstellung des Sports.

Der perfekte Wurf! Welche Weite ist realistisch? Gibt es eine neue persönliche Bestweite und wie richtet man sich sein Training darauf aus? Welche Trainingsschwerpunkte werden gesetzt und wie oft in der Woche ist Training angesetzt?

Johannes Vetter: Das will ich gerne herausfinden. Ich traue mir über 95m zu, wie weit es dann gehen kann hängt auch von den äußeren Rahmenbedingungen ab.
Ich trainiere bis zu 8-mal die Woche, da gibt es Einheiten, die gehen nur 1,5 Stunden und welche die auch gerne über 3 Stunden lang sein können. Zum Schluss geht es doch darum beim Höhepunkt fit zu sein und zu Performern. Auf diesen Höhepunkt ist unsere Periodisierung und das Training über das gesamte Jahr ausgelegt.

Wie sieht so ein typischer Trainingstag bei ihnen aus und wie haben sich ihre Trainingsmöglichkeiten seit Beginn der Pandemie verändert?

Johannes Vetter: Dank der Stadt Offenburg und der LG Offenburg konnte ich einigermaßen ohne größere Einschränkungen trainieren. Der Alltag hängt von vielen Terminen ab. Neben regelmäßiger Physiotherapie, Arztbesuchen, Osteopathie, Gespräche mit meinem Sportpsychologien bis hin zu meiner Tätigkeit im Offenburger Gemeinderat, Sponsorenterminen, Trainingslagern, Wettkämpfen und dem Training.

Zur aktuellen Saison. Was erwarten Sie von den kommenden Wettkämpfen?

Johannes Vetter: Da ich derzeit noch mit ein paar Problemen mit meinem Ellenbogen zu tun habe kann ich das schwer einschätzen. Ich bin in der Lage auch dieses Jahr wieder über 90m zu werfen, aber dafür muss ich zu 100% fit sein.

Welche hat Ihr Trainer in Ihrer Entwicklung und ist es von Nachteil, wenn der Heimtrainer gleichzeitig auch der Bundestrainer ist?

Johannes Vetter: Boris ist und bleibt der beste Speerwurftrainer Deutschlands, wenn nicht sogar der beste Welt. Er bringt ein enormes Knowhow mit, kann sich super in den Athleten hineinversetzen und findet immer eine super Balance des gesamten Trainings. Er ist aber neben weiter Tätigkeit als Trainer ein toller Mensch!  Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich respektiere alle seine Entscheidung genauso, wie er meine. Wir sind uns sehr ähnlich und sprechen vieles miteinander ab.

2017 war ihr Jahr. Ihr größter Erfolg war eine Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft 2017 in London, Europas und Deutschlands "Leichtathlet des Jahres“ und dritter bei Deutschlands „Sportler des Jahres“ Was möchten Sie noch erreichen? Was sind ihre persönlichen Ziele?

Johannes Vetter: Gold bei den olympischen Spielen und den Weltrekord in Angriff zu nehmen sind meine zwei größten sportlichen Träume.

SVV 6466 entwickelt

Mit welchem Gefühl denken Sie an die abgesagte WM 2020 in Tokio und was hatten Sie sich vorgenommen?

Johannes Vetter: Ich habe die letzten Jahre viele Tiefpunkte durchlebt, sportlich sowie privat. Da kann man so eine Absage mit einer gewissen Leichtigkeit wegstecken. Es ist ja kein Hals und nein Bruch. Solidarität und der Schutz der weltweiten Gemeinschaft steht da einfach im Vordergrund!

Was verbindet Sie mit dem Projekt “4Winners

Johannes Vetter: Boris hatte mir davon erzählt und nahm mich bei einem Termin mit. Von Jürgen Siegloch wurde ich direkt nochmal angesprochen. Ich hatte direkt ein Interesse an dem Projekt! Ich reise seit vielen Jahren durch die ganze Welt. Überall sehe ich wie im Sport nur EINE Sprache gesprochen wird. Er verbindet Kulturen, Religionen und gesellschaftliche Schichten. Es war mir daher eine Herzensangelegenheit dieses Projekt zu unterstützen.

Text: Daniela Hiebel / Bilder Johannes Vetter

Mit dem Region im Blick Newsletter immer informiert sein!

Ich akzeptiere die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzerklärung