Dieser stoppt auch leider nicht vor lange geplanten Hochzeitsfeiern.

Aktuell zittern viele Hochzeitspaare und manche mussten ihren Termin bereits verschieben. Der schönste Tag im Leben: für das große Fest wurde schon alles geplant, die Einladungen verschickt – die Vorfreude ist riesengroß. ABER Covid-19 ist da….

Kann „der“ Tag im Leben dennoch realisiert werden?
Was ist mit der Ausgangsbeschränkung, den Kontaktsperren und dem Versammlungsverbot -  machen die der geplanten Hochzeit einen Strich durch die Rechnung? „Region im Blick“ ist zu diesem brisanten, wichtigen Thema  im Gespräch mit  Silvija Grbavac, Hochzeitsplanerin, Brautcoach, Messeveranstalterin und vor allem Mama

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Ereignisreiche Zeiten liegen hinter und ungewisse Zeiten vor uns.

Wie fühlen Sie sich gerade?
Silvija Grbavac: Ich empfinde es als Gefühlschaos, wo sich Trauer, Ohnmacht, Hilflosigkeit und Sorgen mit Mut, Zuversicht, Verständnis und dem Wunsch, zu helfen, im gefühlten Sekundentakt abwechseln. Je nachdem, was ich gerade erlebe oder sehe, empfinde ich große Freude über positive Nachrichten, oder es laufen mir, vor Betroffenheit und Mitgefühl, einfach die Tränen übers Gesicht.

Sie sind Hochzeitsplanerin und Messeveranstalterin, wie reagieren in diesen Tagen die Brautpaare oder auch Dienstleister auf die derzeitige Corona-Krise?
 MG 8561 Foto glarepicturesSilvija Grbavac: Da gibt es jede Menge, worüber ich berichten kann, doch vorab möchte ich gerne noch von meiner persönlich größten Herausforderung in diesen Tagen sprechen. Wie anfangs erwähnt, bin ich auch Mama, Mutter von zwei Teenagern (16 und 14), und muss gestehen, dass es anfangs nicht ganz einfach war, diese von dem Ernst der Lage zu überzeugen. Wer selbst Teenager zu Hause hat, der kennt das und durfte möglicherweise auch schon die ein oder andere pubertierende Stimmungsschwankung miterleben. Manches Mal habe ich das Gefühl, Jugendliche leben in ihrer eigenen Welt, und es kann zum Kraftakt werden, sie derzeit von etwas selbst „total Banalem“ zu überzeugen. Und dann kam Corona. Als aber die Ansage kam „Nein, du kannst zu keinem deiner Freunde, und nein, es kann im Moment auch leider niemand zu uns kommen“ … das ging gar nicht. Heute muss ich darüber schmunzeln, aber das war wie mit einer Wand sprechen – absolutes Unverständnis. Die Antwort war: „Waaas, die anderen treffen sich alle, nur ich darf nicht!“ Zuerst ärgerte ich mich über das Unverständnis. Nachrichten, Bilder und selbst Vorfälle im weiteren Bekanntenkreis blieben völlig wirkungslos.

Gab es überhaupt kein Verständnis?
Anstatt es überhaupt verstehen zu wollen, kamen unzählige Versuche, mich von meiner Meinung und Erwartung abzubringen, und kosteten mich einige Nerven. Immer wieder: Warum, weshalb, wieso, bitte-bitte … Es dauerte nicht lange, und mir wurde klar, dass ich mit dem, was ich verlangte, ihnen all das nahm, was ihnen gerade jetzt so wichtig war. Das Abhängen, Chillen mit Freunden, den möglichen Kontakt zu seiner Freundin, das spontane Mal-auf-dem-Roller-Sitzen, losfahren und Freunde treffen, all diese Freiheiten, das ging von jetzt auf nachher nicht mehr. Diese Situation hielt einige Tage an, bis endlich auch dem letzten der Freunde und deren Eltern klar war, dass es gerade nicht mehr möglich war, sich zu treffen. Und als ob das nicht genug wäre, durfte ich meiner Tochter noch erklären, dass ihre Feier zum 14. Geburtstag nicht stattfinden kann und verschoben werden muss. Als sie dann auch noch erfuhr, dass wir für sie eine Überraschungs-Motto-Party geplant hatten, kullerten die Tränchen.

Rückt die eigene Familie dadurch näher zusammen?
Silvija Grbavac: Absolut. Vor kurzem habe ich noch, bei meinem Mann, darüber gejammert, dass ich nicht mehr so wichtig für meine Kinder bin, dass wir mal wieder etwas zusammen unternehmen könnten. Heute wäre ich froh, wenn die Situation eine andere, nicht so viel Elend auf der Welt wäre und meine Kids ihre Freiheiten hätten. Es ist völlig verrückt. Wir machen jetzt das Beste daraus, etwas anderes bleibt uns nicht übrig, und ich genieße, trotz der derzeitigen traurigen Situation, jede Minute der wertvollen zusätzlichen Familienzeit.

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Ist Hochzeitsplanung überhaupt noch möglich?
Silvija Grbavac: Für mich als Hochzeitsplanerin ist die jetzige Krise eine unbeschreibliche, wenn nicht katastrophale Situation. Im Traum hätte ich nie daran gedacht, jemals so viele Tränen trocknen zu müssen bzw. so viel Traurigkeit mit dem Thema Hochzeitsplanung zu verbinden. Es herrschen Verzweiflung, Ängste und jede Menge Tränen. Nachdem nun auch einige meiner Brautpaare, die ich persönlich betreue, die Hochzeiten verschieben mussten, gibt es derzeit noch mehr als 1.280 Bräute, die ich online in meiner Bride-Time-Facebook-Gruppe unterstütze. https://www.facebook.com/groups/meine.hochzeit.mein.tag/
Die letzten Tage war ich viele Stunden dort aktiv und habe auch mit verschiedenen Liveschaltungen, Ratgebern, Tipps und mutmachenden Worten versucht, so viel wie nur möglich zu helfen und zu trösten. Sicherlich gibt es vieles, was vielleicht gerade wichtiger ist, aber auch für ein Brautpaar, insbesondere für Bräute, die sich so lange schon mit der Hochzeitsplanung beschäftigt haben und kurz vor dem großen Tag stehen, bricht eine kleine Welt zusammen. Hier stecken so viele Emotionen drin. Jedes Brautpaar hat seine Vorgeschichte. Für viele stecken in dieser Planungszeit unbeschreibliche, persönliche Erlebnisse und nicht selten auch Schicksalsschläge. Man sehnt den großen Tag herbei.

Wie wird derzeit geheiratet?
Hochzeit Salina Martin 046 Foto mdd picturesSilvija Grbavac: Mir ist bewusst, dass eine absolute Ausnahmesituation herrscht, vieles muss geordnet, bestimmt und organisiert werden. Die Bundesregierung hat viele wichtige Entscheidungen zu treffen. Und genau das ist ein ganz wichtiger Punkt – die Regierung sollte meiner Meinung nach bundesweit einheitliche Bedingungen ermöglichen. Stattdessen entscheiden viele Städte und Ämter nach eigenem Ermessen und verursachen damit völlig sinnlose und unnötige Unsicherheit und vereinzelt auch Panik unter den Bräuten. Es verbreitet sich dadurch ein negatives Gefühl, das sich stark nach Ungerechtigkeit anfühlt.
•    Die einen dürfen noch heiraten, aber nur zu zweit
•    Evtl. auch noch mit den Trauzeugen
•    Bei anderen dürfen bis zu 10 Gäste mit eingeladen werden
•    Bei wieder anderen dürfen nicht einmal die leiblichen Kinder mit dabei sein
•    Andere Standesämter haben schon geschlossen und trauen überhaupt nicht mehr

Es fühlt sich so ungerecht an, und für mich bleibt oft nichts anderes, als zumindest Zuversicht und positive Energien zu vermitteln. Auch wenn die Situation nun schon einige Tage anhält, stehen viele Termine der Brautpaare bereits schon lange fest, und dass nicht nur bei den standesamtlichen Hochzeiten, sondern auch bei den freien oder kirchlichen Trauungen und jeweiligen Feiern. Auch Junggesellenabschiede und Polterabende mussten bereits abgesagt werden oder stehen auf der Kippe, da noch niemand weiß, wie sich die Lage in den nächsten Tagen und Wochen entwickelt. Einige Hochzeiten wurden bereits, wenn auch schweren Herzens, abgesagt, standesamtliche Hochzeiten trotz vieler Einschränkungen dennoch vollzogen.

Raten Sie dazu, Hochzeiten wenn möglich zu verschieben?
Silvija Grbavac: Keineswegs. Auch in der Krise kann eine standesamtliche Hochzeit unter schwierigen Bedingungen zu etwas ganz Besonderem werden. Alles wird noch intensiver empfunden, und man fokussiert sich noch mehr auf das Wesentliche als Paar, auf das, worauf es bei einer Hochzeit auch ankommt. Bei einem meiner Brautpaare, das auch zu unserem Bekanntenkreis gehört, beschloss ich kurzerhand, ihm trotz Corona-Krise einen einzigartigen Tag zu schenken. Und vieles, was erst unmöglich schien, wurde möglich. Es wurde ein unvergesslicher Tag für das Brautpaar aber auch für mich. Mehr dazu findet man auf meiner Facebook-Seite: https://www.facebook.com/sei.einzigartig/ . Für mich war dies wie ein Befreiungsschlag – aus einer so lähmenden Situation. Ich bin sehr glücklich darüber diese Gelegenheit genutzt zu haben, und somit meinem Brautpaar einen unvergesslichen Tag bereitet zu haben.

Wie reagieren Ihre Kollegen in der Branche?
Silvija Grbavac: Möglich wurde diese Überraschung dank der tollen Dienstleister, die ich von meinen Ideen begeistern konnte und die, trotz eigener Sorgen, ohne zu zögern ein Teil davon wurden. Aber ich sehe auch noch immer die vielen Videos, Postings und Presseartikel auch renommierter und bekannter Dienstleister und denke an zahlreiche persönliche Gespräche, die ich in den letzten Tagen und Wochen, mit Hochzeitsdienstleistern sämtlicher Branchen, geführt habe. Diese Sorgen, Ängste und das Ungewisse stimmen mich extrem traurig.

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Und dennoch gibt es viele Kämpfer da draußen, die sich nicht unterkriegen lassen und einfach kreativ werden, neue Ideen entwickeln und das Beste geben, um das derzeit Mögliche möglich zu machen. Die gesamte Hochzeitsbranche ist betroffen, und ich weiß nicht, wie wir am Ende aus dieser Situation wieder herauskommen werden. Doch bei einem bin ich mir absolut sicher: Diejenigen, die spätestens jetzt erkannt haben, dass ein Miteinander und auch Füreinander extrem wichtig ist, werden ganz sicher auch positiv in die Zukunft schauen können. Es gibt viel Schlimmes, Negatives und Beängstigendes, aber es gibt auch unendlich viel Schönes, Liebenswertes, Herzliches, Mitfühlendes und Einzigartiges. Ich persönlich fokussiere mich auf Letzteres und wünsche allen von ganzem Herzen alles Gute und vor allem das größte Gut, das wir besitzen können: Gesundheit.

Silvija Grbavac www.meine-hochzeit-mein-tag.de

 Text: Region im Blick

Bilder: mdd pictures und Glarepicture