Vielen Betrieben geht die Luft aus

„Verheerende Folgen und großer Unsicherheit bis Mitte 2021“

Seit Monaten hat Corona große Teile der Wirtschaft in Südbaden fest im Würgegriff – jetzt folgt die Verlängerung des Lockdowns bis 14. Februar. Für die Wirtschaft eine Hiobsbotschaft. Online-Handelsunternehmen steigern ihre Umsätze, doch das Internet ist für viele KMU keine Option.

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Relativ gut geht es – noch - dem Baubereich. Andererseits warten viele der von Corona betroffenen Betriebe bis heute auf die Auszahlungen der staatlichen Novemberhilfen. Mit der Ankündigung der Politik, den zweiten Lockdowns bis 14. Februar zu verlängern, verschärft sich die Lage vieler südbadischer Unternehmen.
Pessimistisch blickt Nina Hartmann, Vorsitzende des „Verbands deutscher Unternehmerinnen“ (VdU) in Baden, in die Zukunft. Der VDU liefert einen Querschnitt unterschiedlicher Branchen: vom Einzelhandel über die Gastronomie – sie leidet besonders stark unter den Einschränkungen - bis hin zu Freizeitunternehmen: „Es ist schwer von Perspektive zu sprechen, da niemand weiß, wie es weitergehen wird. Insoweit würde ich im Schnitt von verheerenden Folgen und großer Unsicherheit zumindest bis Mitte des Jahres sprechen.“ Zwar, so Hartmann, freuten sich Online-Händlerinnen unter den VDU-Mitgliedern über wachsende Umsätze. Doch das ist nicht die Masse. Selbst wenn in Baden-Württemberg inzwischen Click & Collect für herkömmliche Betriebe erlaubt ist - nur wenige
Geschäftsmodelle lassen sich damit erfolgreich betreiben.

Wenig betroffen ist - bislang - der Baubereich. „Zwar ist ein Auftragsbestand in vielen Betrieben derzeit noch vorhanden, dennoch gibt es deutliche Anzeichen für eine Eintrübung“, so Cornelia Rupp Hafner, Hauptgeschäfts-führerin der Wirtschaftsverbände Holzbau Baden e.V., Fachverband Ausbau und Fassade Baden e.V. und Schreiner Baden e. V. mit Sitz in Freiburg. Einen Grund sieht sie im Rückgang an Baugenehmigungen, wie etwa in Freiburg. Hier wurden „…im vergangenen Jahr - nur - 668 neue Wohnungen genehmigt. Im Vergleich dazu waren es im Jahr davor mit 1302 fast doppelt so viele.“ Damit sei das von der Stadt selbst gesetzte Ziel von rund 1000 neuen Wohnungen pro Jahr „…leider weit unterschritten.“

Auswirkungen durch Corona spüren auch Mitglieder des „Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands“ (BLHV), so Padraig Elsner, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: „Besonders betroffen sind Betriebe, die direkt oder indirekt die Gastronomie beliefern oder Beherbergung anbieten. Mitgliedsbetriebe mit Direktvermarktung berichteten hingegen von einem regelrechten Ansturm auf ihre Hofläden.“ Finanziell katastrophal ist die Situation bei Betrieben, die aufgrund ihrer schwierigen Situation auf Staatshilfen gehofft haben: Trotz Beantragung haben bislang nur wenige Geld erhalten: Anfang Januar 2021 wurde bekannt, dass die für letzten November versprochene Hilfsgelder endlich überwiesen werden sollen.

Gastronomy lockdown

Cornelia Rupp-Hafner hierzu: „Für finanzielle Hilfen bedarf es unbürokratischer Hilfen, die dann an hilfsbedürftigen Betriebe - auch zeitnah und ohne Einbau von zahlreichen Hürden - wirklich fließen.“ Mehr Planungssicherheit von der Politik wünscht sich der BLVH für seine Verbandsmitglieder, die Unterkünfte für Touristen anbieten: „Wenn im Sommer Urlaubsreisen voraussichtlich wieder möglich sein werden, sollte ein geeigneter Rahmen für frühzeitiges Planen für landwirtschaftliche Betriebe mit Beherbergungsangeboten geschaffen werden.“ Nina Hartmann von der VDU fordert von den Entscheidungsträgern, künftig bei den Corona-Maßnahmen „den Blick hin zur Realität zu öffnen und Pragmatismus und Zielorientierung in den Fokus zu stellen.“ Michael Hafner, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Badischer Unternehmerverbände ergänzt: „Bei allem Verständnis für die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie – es hat den Eindruck, dass die Entscheidungsträger die Bedürfnisse der KMU kaum im Blick haben. Das muss sich endlich ändern.“

Die Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU) ist die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Dachorganisation der südbadischen Wirtschaft und ist deren Sprachrohr. Sie hat derzeit 11 Mitgliedsverbände und diverse Einzelmitglieder aus Branchen, die nicht diesen Mitgliedsverbänden angehören. Insgesamt vertritt die VBU rund 6000 Unternehmen. Präsident ist Rudolf Kastner, Aufsichtsratsvorsitzender der EGT AG in Triberg, Hauptgeschäftsführer ist Michael Hafner, Freiburg.

Bilder: Canva
Text: Vereinigung Badischer Unternehmerverbände (VBU)