Marktsituation 2019 schwierig. Anpassungen eingeleitet. Corona-Krise bleibt Herausforderung.

„Das zurückliegende Geschäftsjahr 2019 war für uns als Badischer Winzerkeller ein sehr schwieriges Jahr. Hintergrund ist die stark veränderte Marktsituation nach dem großen Herbst 2018, die sich vor allem in erhöhtem Preisdruck äußerte.

Als Folge dessen befinden wir uns in der Phase der Erneuerung von Strukturen, Prozessen und einer neuen Marktausrichtung. Die Rahmenbedingungen aus Bestandsveränderungen der Erntemengen und der Wettbewerbsdruck am Markt hatten für das Ergebnis 2019 erhebliche Auswirkungen auf das operative Geschäftsergebnis.

A Vor aktuellen Herausforderungen Vorstand Eckart Escher l und Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Schuster r 002 Vorstand Eckart Escher l und Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Schuster

Während Weinkonsum und Käuferreichweiten zunehmend sinken, steigt das Marktangebot an Wein aufgrund großer Erntemengen. Dem Badischen Winzerkeller gelingt es trotz Marktdruck, seine Markenprodukte in Menge und Wert weiter positiv zu entwickeln. Die Sonnenwinzer-Kampagne trägt dabei unsere Vermarktung mit klarer Markenidentität in die Zukunft.“

Zitat Vorstandsvorsitzender Dr. Peter Schuster und Vorstand Eckart Escher (21.07.20).

Der Geschäftsbericht im Detail:

Entwicklung der Weinbranche: Weinmarkt aufgrund guter Ernten unter Druck. Einlagerungsmenge in Baden 2019 mengenmäßig über langjährigem Durchschnitt.

Die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) schätzt die weltweite Weinproduktion 2019 auf 262,8 Mio. hl, welche im Vergleich zum Vorjahr um 10 % niedriger ausfällt. Auch wenn der Rückgang von umgerechnet ca. 30 Mio. hl erheblich erscheint, entspricht das Produktionsniveau 2019 den Produktionszahlen, die im Zeitraum 2007 bis 2016 (mit Ausnahme von 2013) verzeichnet wurden.

In der Europäischen Union (EU) haben ungünstige Witterungsbedingungen – von Frost bis Dürre – die Weinproduktion 2019 stark beeinträchtigt und zu unterdurchschnittlichen Produktionszahlen geführt. Das auf 156,0 Mio. hl geschätzte Produktionsvolumen ist rund 15 % niedriger als im Vorjahr. Dies ist ein deutlicher Rückgang von 26,7 Mio. hl gegenüber der Produktion 2018 (182,7 Mio. hl).

In Deutschland liegt die geschätzte Erntemenge in 2019 bei rund 8,4 Mio. hl und damit ca. 19 % unter der letztjährigen Ernte und ca. 4 % unter dem langjährigen Mittel. Regional gibt es allerdings große Unterschiede. In Baden schwanken die Erntemengen nur leicht um den zehnjährigen Durchschnittswert.

Von den badischen Winzergenossenschaften wurden aus der Ernte 2019 insgesamt 93,7 Mio. Liter Most eingelagert. Gegenüber der Vorjahresernte 2018 wurden 10,9 Mio. Liter weniger erfasst. Durchschnittlich wurden auf 10.201 Hektar (Vj. 10.295 ha) 91,9 hl/ha geerntet. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 9,7 Liter je Ar. Die Einlagerungsmenge 2019 lag damit mengenmäßig 4,1 Mio. Liter über dem zehnjährigen Durchschnitt.

Zur Ernte 2019 wurden von den badischen Winzergenossenschaften rund 54,8 Mio. Liter Most weißer Rebsorten eingelagert. Das sind gegenüber dem zehnjährigen Mittel 2,4 Mio. Liter mehr (+ 4,4 %). Bei den Rot- und Roséweinen wurden mit einer Menge von 38,9 Mio. Liter Most im Vergleich zum zehnjährigen Durchschnitt rund 1,7 Mio. Liter bzw. rund 4,3 % mehr eingelagert.

Absatz- und Umsatzentwicklung: Anhaltend schwierige Marktverhältnisse. Umsatzrückgang um 3,4%.

Im Berichtsjahr 2019 konnten die in den Vorjahren erzielten Umsatzzuwächse der Jahre 2015-2018 von rund 17 % nicht fortgesetzt werden. Gesamthaft ist aufgrund der schwierigen Marktsituation ein Rückgang der Umsatzerlöse vor Rückvergütungen von 3,4% zu verzeichnen.

Der Absatz im Eigengeschäft verringerte sich dementsprechend um 1,44 Mio Liter gegenüber Vorjahr, blieb aber noch um 300‘000 Liter über 2017.

Die Gesamtleistung reduzierte sich aufgrund einer erheblichen Differenz in der Bestands-veränderung (- 2,8 Mio. €) auf 45,7 Mio. €.

Trotz der für den BWK schwierigen Marktsituation 2019 konnten die Umsätze der wichtigen Markenprodukte Martin Schongauer, Heinrich Hansjakob, Schloss Munzingen, GOSCH und der Discount Premiumbereich siebenstellig zulegen.

Die Rückgänge im Preiseinstiegsbereich, Offenweingeschäft und in Teilsortimenten des Lebensmitteleinzelhandels konnten aber damit nicht kompensiert werden.

Der Lebensmittelhandel einschließlich Discount steht gesamthaft für rund 80% des Vertriebsumsatzes im Eigengeschäft. Die nachhaltige Vertriebsarbeit und die zunehmende Etablierung des Positionierungskonzepts „Die Sonnenwinzer“ haben auch in 2019 zur positiven Wahrnehmung des Badischen Winzerkellers bei Handelspartnern und Konsumenten beigetragen.

Die Gastronomieumsätze konnten im Berichtszeitraum um 6,0 % zulegen, ebenso verlief die Entwicklung der Umsätze mit den Ortslägern der Mitgliedsgenossenschaften positiv. Leider verzeichneten die Bereiche Fachhandel, Direktverkauf und Winzergenossenschaften geringere Umsätze als im Vorjahr.

Trotz des Rückschlags der Umsatzentwicklung im Berichtsjahr ist der Badische Winzerkeller als größter Erzeugerbetrieb der badischen Weinwirtschaft überzeugt, an die Umsatzsteigerungen der Jahre 2015-2018 wieder anknüpfen zu können.

B Der Holzfasskeller des Badischen Winzerkellers Das Herzstück des Weinausbaus in Breisach 002Der Holzfasskeller des Badischen Winzerkellers Das Herzstück des Weinausbaus in Breisach

Export

Die Exportsituation deutscher Weine ist nach wie vor nicht zufriedenstellend. Auch der Badische Winzerkeller musste in diesem schwierigen Export-Umfeld einen Umsatzrückgang hinnehmen. Zwar bewegen sich die Umsätze nach wie vor sechsstellig, die Aufwendungen stehen aber in keinem günstigen Verhältnis zum derzeitigen Erfolg.

Die für den Export konzipierten Produktlinien erfuhren zwar in allen bearbeiteten Märkten zunehmend Fortschritte in ihrer Akzeptanz, der wünschenswerte Absatzerfolg war aber auch im Berichtszeitraum noch nicht gegeben. Es zeigte sich in 2019 einmal mehr, dass nachhaltige Exporterfolge langfristige Aufbauarbeit benötigen.

Zur Lage der Genossenschaft Badischer Winzerkeller eG  2019 auf 2020

Ertragslage

Die Umsatzsteigerungen der Vorjahre konnten leider nicht fortgesetzt werden. Die Umsätze haben sich gegenüber dem Geschäftsjahr 2018 leider um insgesamt 4,8% auf 45,3 Mio. € reduziert.

Außer durch Absatz und Umsatz wird das Jahresergebnis auch maßgeblich durch die Bestandslage und deren Veränderung aufgrund naturbedingter Schwankungen (große bzw. kleine Erntemenge) beeinflusst.

Die ausgewiesene Bestandsveränderung zeigt gesamthaft eine Verminderung der fertigen und unfertigen Erzeugnisse in Höhe von 0,2 Mio.€, die im Vorjahr aufgrund der mengenmäßig großen Ernte 2018 noch zu einem positiven Wert von 2,6 Mio. € geführt hatte.

Die Erntemenge des Geschäftsjahrs 2019 hat wiederum zu Überlagerungsmengen in Höhe von rund 0,5 Mio. Liter geführt, die kostenwirksam ausgebaut wurden und somit die GuV belasten. Insgesamt betragen die fortgeschriebenen Überlagerungsmengen nun 2,6 Mio. Liter. Diese Mengen konnten aber gemäß den gesetzlichen Höchst-Vermarktungsregelungen sowie aufgrund des Stichtagsprinzips (31.12.2019) nicht in die Bewertung einfließen. Somit wurden Werte geschaffen, die sich aber in der GuV 2019 nicht wiederfinden.

Investitionen

Der Schwerpunkt der Investitionen im Berichtsjahr lag analog dem Vorjahr wieder im Bereich der Sachanlagen. Explizit zu nennen sind eine Crossflow-Filteranlage, eine neue Kapsel- und Etikettier-Maschine, eine Dosieranlage sowie diverse technische Anlagen.

Als weitere große Maßnahme konnte im Rahmen eines Wasserrechtsverfahrens die Entnahme von Grundwasser sowie die Wiedereinleitung von Berieselungs,- Niederschlags,- und Prozesswasser für thermische Verfahren mit den zuständigen Behörden geregelt werden. Hierzu waren einige bauliche Maßnahmen notwendig wie die Erweiterung von bestehenden und der Bau von neuen Entwässerungsanlagen, Pumpwerken und Sickerbecken.

Im Bereich der immateriellen Vermögensgegenstände wurden analog dem Vorjahr noch ergänzende Investitionen im neuen Online-Shop sowie in die Software des CRM (Customer-Relationship-Management) / AIS (Außendienst-Informations-System) durchgeführt.

Die durchschnittliche Investitionssumme der letzten 3 Geschäftsjahre 2017 bis 2019 lag bei 1,6 Mio. €.

Umwelt

Die fünf vorhandenen Photovoltaik-Anlagen haben in 2019 ca. 1,0 Mio. kWh Strom erzeugt. Diese Art der Stromerzeugung trägt durch die damit einhergehende Verminderung des CO2-Ausstoßes seit Jahren erheblich zum Umweltschutz bei.

So wurde seit 2005 der Ausstoß von annähernd 7.500 Tonnen CO2 vermieden. Die Sonnenwinzer decken somit ihren Stromverbrauch zu einem erheblichen Teil aus selbst gewonnener Sonnenenergie.

Das BWK-Energiemanagementsystem wurde in 2019 weiterentwickelt und Ende 2019 nach der neuen Prüfungsnorm ISO 500001:2018 erfolgreich zertifiziert.

Auch das Energie-Monitoring-System wurde weiterentwickelt. Der Gesamtenergieverbrauch konnte 2019 gegenüber 2018 um ca. 10 % reduziert werden.

Produkte und Sortiment:  Martin Schongauer wichtigste Weinmarke aus Baden. Sonnenwinzer-Kampagne nachhaltig präsent.

Der Badische Winzerkeller setzt weiter auf die Entwicklung seiner Markenlinien im Lebensmittelhandel und in der Gastronomie. Die Fortführung der erfolgreichen Marken-strategie der letzten Jahre entspricht den Anforderungen des Marktes und schafft bei Handel und Konsumenten Vertrauen. Die Marken Martin Schongauer, Heinrich Hansjakob, Schloss Munzingen und GOSCH erzielten insgesamt einen Umsatzzuwachs von 7,6 % zum Vorjahr 2018. 

Diesen Weg wollen die Sonnenwinzer in 2020 fortsetzen.

Zu den bislang etablierten Marken verfolgt der Badische Winzerkeller außerdem den Markenaufbau der Sortimentsmarke „Die Sonnenwinzer“. Zunehmend werden generische Produkte unter der Dachmarke integriert und so mit einem klar erkennbaren Absender als Sortimentsmarke für den Verbraucher sichtbar.

In 2019 konnten bereits über 1 Mio. Flaschen mit dem Absender „Die Sonnenwinzer“ in unterschiedlichsten Sortimenten wie Federweißer, Qualitätsweine 0,75l und 1 Liter sowie Winzerglühwein erfolgreich am Markt abgesetzt werden.

„Auch wenn die ProWein wegen Corona abgesagt wurde, haben wir natürlich auch in diesem Jahr einige Neuheiten parat“, konstatierte Dr. Peter Schuster, Vorstandsvorsitzender des Badischen Winzerkellers.

„Wir stehen voll und ganz hinter der Entscheidung der Messe Düsseldorf. Die Gesundheit und Sicherheit aller Messeteilnehmer und -besucher stand auch für uns an erster Stelle. „Wie geplant führen wir unsere neuen Produkte in den Handel ein, um weiterhin mit Weinvielfalt aus einer Hand zu überzeugen und unsere positive Umsatzentwicklung der letzten Jahre fortzuführen.“

Ob Badens bekannteste und absatzstärkste Weinmarke Martin Schongauer, die beliebte Markenpersönlichkeit Schloss Munzingen oder die einzigartige GOSCH-Linie – jedes Produkt steht für Leidenschaft, Liebe zum Detail und Qualität direkt vom Erzeuger.

Quelle / Bilder: Badischer Winzerkeller eG