sevDesk-Corona Umfrage 2020: Wirtschaftliche Folgen für Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmer

Die Studie des Buchhaltungssoftware-Anbieters sevDesk veranschaulicht, wie deutsche Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmer die persönliche wirtschaftliche Gefahr im Zuge der Corona-Krise einschätzen, in welchem Umfang ihre Umsätze zurückgehen und sie Soforthilfen nutzen.

Die Auswertung legt dabei die Unterschiede innerhalb der verschiedenen Branchen und der einzelnen Bundesländer offen.

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 Bundesländer

• Weniger Aufträge, Umsatzeinbußen: in allen Bundesländern erachtet man die wirtschaftliche Gefahr als sehr hoch – positive Ausnahme Bremen

• Gesunkene Auftragslage trifft Saarland am stärksten, die größte Gefahr durch die Corona-Krise wird jedoch in Sachsen-Anhalt ausgemacht

• Hohe Umsatzeinbußen besonders in Hamburg und Sachsen-Anhalt

• Drei von vier Befragten werden Soforthilfe nutzen – am stärksten gefragt im Saarland, am wenigsten in Schleswig-Holstein und Bremen

Branchen

• Auftragslage stimmt lediglich die Berater- und Energie-Branche noch positiv

• Alle Teilnehmer aus der Wohnungs- und Baubranche vermelden Auftragsrückgang

• Umsatzeinbußen treffen längst nicht alle gleichermaßen: neben IT- auch Energie- sowie Steuer- und Rechts-Branche noch mit vergleichsweise positiven Zahlen

• Die Krise hat einen klaren Verlierer, den Tourismus – gefolgt von der Gastronomie- sowie der Kunst- und Unterhaltungsbranche

Offenburg, 23. April 2020 – Das Software-Unternehmen sevDesk hat sein Netzwerk aus 80.000 Selbstständigen, Freiberuflern und Kleinunternehmern genutzt, um eine repräsentative Studie zu den Folgen der Corona-Krise für diese Gruppen zu erstellen. Man rief eine Umfrage aus, an der über 2.600 Nutzer aus allen Bundesländern und verschiedensten Branchen teilnahmen. Um die Anzahl der Teilnehmer auf ein statistischrelevantes Niveau zu heben, wurde die Studie auf lediglich vier Fragen begrenzt. Konkret wurde nach dem Rückgang von Aufträgen, den zu erwarteten Umsatzeinbußen und der generellen wirtschaftlichen Gefahr für die Tätigkeit der Probanden gefragt. Hinzu kam noch die Frage, ob es einen Bedarf gibt nach Soforthilfemaßnahmen.

 Die Studie offenbart Sachverhalte, die zu erwarten waren – die Corona-Krise trifft längst nicht alle Branchen mit derselben Härte –, aber auch solche, die eher überraschend sind – in Schleswig-Holstein, Bremen und Bayern will nicht mal jeder Dritte Soforthilfe beantragen, die IT-Branche ist mit Abstand der kleinste Verlierer der Krise. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der auffälligsten Beobachtungen der Studie, sowie alle weiteren Zahlen und Fakten grafisch aufbereitet. 

Bundesländer
Kleinunternehmer und Selbstständige aller Bundesländer schätzen die Gefahr für Ihre Arbeit als sehr hoch ein – Ausnahme Bremen

 Bundesweit sieht ein Großteil (70%) der Befragten eine hohe Gefahr für ihr Unternehmen bzw. ihre Tätigkeit durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise gegeben. Zwar gibt es bundeslandspezifische Unterschiede – das Raster reicht von Rheinland-Pfalz (64%) bis zum negativen Spitzenreiter Sachsen-Anhalt (83%) –, aber in allen Regionen trifft die Mehrheit eine wirtschaftlich stark negative Prognose. Deutliche Ausnahme bildet Bremen. Hier gibt es ein 50/50 Verhältnis zwischen denjenigen, die ein niedrige, und denjenigen, die eine hohe Gefahr für ihre Existenz sehen.

Corona Umfrage Geschaetzte Gefahr fuer Unternehmen in Deutschland pro Bundesland

Grund könnte der Rückgang der Aufträge sein. Auch hier zeigt sich bei den Befragten Bremen aber auch Brandenburg als vergleichsweise positives Beispiel. In beiden Bundesländern konnten Selbstständige/Kleinunternehmer zwar mehrheitlich einen konjunkturellen Abschwung verzeichnen, mit 75% vermelden hier jedoch weit weniger Befragte weniger Aufträge, als der bundesweite Durchschnitt (84%). Bremen als auch Brandenburg stehen damit an der positiven Spitze des Rasters. Ein deutlich anderes Bild zeigt sich bei den Probanden aus dem Saarland, hier verzeichneten ganze 95 % der Befragten weniger Aufträge. Der Höchstwert unter den Bundesländern. 

Corona Umfrage Rueckgaenge von Auftraegen in Deutschland pro Bundesland

In Hamburg überdurchschnittlich viele von hohen Umsatzeinbußen betroffen
 Diese Zahlen schlagen sich auch in den erwarteten Umsatzeinbußen nieder. Erneut stellt sich die Situation für Selbstständige/Kleinunternehmer aus Bremen am positivsten dar – lediglich 30% erwarten sehr hohe Umsatzeinbußen, also einen Rückgang um mindestens dreiviertel des normalen Umsatzes. Ein ganzes Stück gefährlicher sieht man es in Hamburg (44%), Sachsen-Anhalt (43%), Berlin (42%) und Baden-Württemberg (42%). Der Bundesweite Durchschnitt derjenigen mit voraussichtlichen Umsatzeinbußen von mehr als ¾ dahingegen liegt bei 39%.

Corona Umfrage Umsatzeinbussen in Deutschland nach Bundesländern

Nur Einer von Vier will keine Soforthilfe nutzen
 Durchschnittlich lässt sich feststellen, dass bundesweit ¾ der Selbstständigen, Freiberuflern und Kleinunternehmer einen Antrag auf Soforthilfe gestellt haben bzw. dies planen. Die Studie zeigt aber auch, wie unterschiedlich diese Maßnahmen in den verschiedenen Bundesländern nachgefragt sind. 
 Am stärksten nach Soforthilfe sucht man im Saarland, was nicht zuletzt mit dem starken Rückgang an Aufträgen dort korrespondiert. Lediglich 14 % der saarländischen Selbstständigen/Kleinunternehmer wollen keine finanzielle Unterstützung beantragen, knapp dahinter Mecklenburg-Vorpommern mit 17%. Im Kontrast dazu will in Schleswig-Holstein, Hamburg und auch in Bayern jeder dritte keine Gelder beantragen.

Corona Umfrage Bedarch nach Soforthilfemassnahmen Selbststaendige und KMUs in Deutschland pro Bundesland

Branchen
Größter Auftragsrückgang im Wohnungs- und Baugewerbe noch vor Tourismus
Wie zu erwarten war gibt es Branchen, die die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise deutlich stärker spüren als andere. Wenig überraschend melden insbesondere Selbstständige/ Kleinunternehmer aus dem Tourismuszweig einen merklichen Auftragsrückgang. Überraschend dabei ist, dass man mit 96% im Branchenranking doch nur auf Rang vier liegt. Vom Auftragsschwund sind zuvorderst Befragte aus dem Wohnungs- und Baugewerbe betroffen. Hier haben alle 100% einen Rückgang angegeben. Keine andere Branche scheint so hart von sinkender Auftragslage betroffen zu sein. Mit nur geringem Abstand darauf folgen dann auch schon Wirtschaftsprüfung, Steuern und Recht (98%) und das Verlagswesen (97%).

 Die Studienteilnehmer wiederum, die am wenigsten vom Auftragsrückgang betroffen sind, stammen aus der Beratungs- und Consulting-Branche, hier vermeldet nur jeder zweite, dass Aufträge wegbrechen. Auch im Energie- sowie im Bildungs- und Wissenschaftssektor kann immerhin noch jeder dritte Proband eine gleichbleibende Auftragslage vermelden. Betrachtet man die anderen Branchen, sind das jedoch relativ positive Ausnahmen. Zwischen 79% (Gastronomie) und 91% (Sport & Gesundheit) der Befragten vermelden dort weniger Aufträge.

Corona Umfrage Rueckgang von Auftraegen in Deutschland pro Branche

Diverses Bild bei der Soforthilfe – nur jeder zweite ITler, aber fast jeder aus dem Tourismus will sie nutzen
 Auch die Frage danach, wer Soforthilfen nutzen wird, macht deutlich, wie verschieden Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmer von der Corona-Krise betroffen sind. Am stärksten sind Hilfemaßnahmen im Tourismussektor gefragt – lediglich Einer von Zehn plant ohne Hilfe auszukommen. Auch im Sport (86%) sowie in der Kunst- und Unterhaltungsbranche (85%) ist die Anzahl derjenigen, die auf Soforthilfe setzen deutlich über dem Bundesdurschnitt von 72%.

Positiv wiederum stechen Selbstständige/Kleinunternehmer aus der IT-Branche heraus. Hier planen mit Abstand die Wenigsten, nämlich nur jeder Zweite, Hilfe zu beantragen. Überraschend da immerhin auch 81% der Befragten aus der IT-Branche einen Auftragsrückgang vermeldeten. Erneut positiv fällt auch der Energie-Sektor auf – lediglich 59% setzen auf Soforthilfe und auch die Wirtschaftsprüfung-, Steuer- und Rechts-Branche liegt mit 63% weit unter dem bundweiten Durchschnitt von 72%. Insgesamt muss man aber festhalten, dass die Mehrheit aller Selbstständigen/Kleinunternehmer nahezu aller Branchen planen, Soforthilfe zu nutzen

Corona Umfrage Bedarf nach Soforthilfemassnahmen Selbststaendige und KMUs in Deutschland pro Branche 1

Deutlichster Kontrast zwischen den Branchen anhand der Umsatzeinbußen – Zwischen IT- und Tourismus-Branche klafft eine gewaltige Lücke
 Beim Blick auf die voraussichtlichen Umsatzeinbußen zeigt die Studie nicht nur die eklatanten Folgen der Corona-Krise, sondern auch, wie unterschiedlich die Branchen diese zu spüren bekommen. Die Diskrepanz zwischen 86% die im Tourismus und 18% die in der IT-Branche hohe Umsatzeinbußen (Rückgang um mindestens ¾ des Umsatzes) erwarten, offenbart diese Diskrepanz am deutlichsten. Besonders hart getroffen hat es neben dem Tourismus aber auch Studienteilnehmer aus dem Kunst- und Unterhaltungssektor sowie der Gastronomie – Drei von Vier rechnen auch hier mit starken Einbußen. 
 Insgesamt zeigen die Antworten zu den erwarteten Umsatzeinbußen ein deutlich diverseres Bild als bei den Soforthilfen und der Auftragslage. Brechen der Baubranche zwar gesamtheitlich Aufträge weg, sind die Studienteilnehmer aus dieser Branche (26%) neben Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern (25%) dennoch am wenigsten von hohen Umsatzeinbußen betroffen. Umgekehrt stand die Auftragslage im Bildungs- und Wissenschaftssektor zwar bei der Auftragslage auf der positiven Seite des Rasters, beim Umsatz dahingegen auf der negativen. Mit 48% Selbstständigen/Kleinunternehmern mit hohen Umsatzeinbußen liegt die Branche deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 39%. 

Corona Umfrage Umsatzeinbussen in Deutschland pro Branche

Dieser starke Kontrast bei den prognostizierten Umsatzeinbrüchen zwischen Selbstständigen/ Kleinunternehmern verschiedener Branchen setzt sich beim Blick auf die geschätzte Gefahr für die eigenen Tätigkeit fort. Auch hier verschieben sich die Parameter erneut. Die Lücke zwischen Sportsektor (88%) auf dem negativ höchsten Rang und der IT-Branche (51%) auf dem niedrigsten ist aber weniger groß. Die Mehrheit der Selbstständigen, Freiberuflern und Kleinunternehmern sieht, wie schon beim Blick auf die Bundesländer, auch innerhalb der Branchen eine große Gefahr für ihre Tätigkeit durch die Corona-Krise gegeben. Auf der positiven Seite des Rasters liegt immer die IT, auf der negativen die Tourismus-Branche.

Corona Umfrage Geschaetzte Gefahr fuer Unternehmen in Deutschland nach Branche

Bundesweite Übersicht

Corona Umfrage Rueckgang von Auftraegen in Deutschland

Corona Umfrage Geschaetzte Gefahr fuer Unternehmen in Deutschland

Corona Umfrage Umsatzeinbußen in Deutschland

Corona Umfrage Bedarf nach Soforthilfemassnahmen Selbststaendige und KMUs in Deutschland 1